Einzelpositionen der Rassekaninchen

Allgemeines

1. Typ, Körperform und Bau

In Position 1 ist die Gesamterscheinung eines Tieres zu beurteilen: Dazu gehören die Körperform als Gesamteindruck aller körperlichen Merkmale des jeweiligen Tieres, der Rassetyp als spezifisches äußeres Erscheinungsbild jeder einzelnen Rasse, der Geschlechtstyp als spezifische Erscheinungsform der beiden Geschlechter und der Körperbau als Summe aller anatomischen Merkmale des zu beurteilenden Tieres. Gegebenenfalls sind Sonderbestimmungen zur Bewertung der obigen Aspekte in anderen Positionen zu berücksichtigen. Markante Proportionen des Körpers einschließlich der Gewebestruktur, Länge und Haltung der Ohren gehören zum Rassetyp. Körpermasse und Größe des Tieres müssen immer im Einklang stehen:
Im Allgemeinen sei der Rumpf ebenso breit wie hoch (tief); Rumpfbreite und Rumpftiefe sollen etwa ein Drittel der Körperlänge betragen. Die Brust sei also breit, ebenfalls breit und mit einem starken, muskulösen Nacken versehen sei der Rücken. breit und gut gerundet sei die Hinterpartie. Der Rumpf darf sich i.d.R. nach vorne nicht wesentlich verjüngen; eine gleichmäßige Körperbreite gilt als ideal. Jedoch ist zu unterscheiden zwischen den Grundformen "gedrungen" und  "gestreckt" sowie den Zwischenformen "leicht gedrungen" und "leicht gestreckt", die jeweils den Rassetyp mit definieren.
Im Vergleich zur Häsin hat der Rammler die markantere Form, den aufgrund der ausgeprägten Backenbildung wuchtiger wirkenden Kopf, den stärkeren Knochenbau, die kräftigere Muskulatur, ein strafferes Gewebe und ein stärkeres Hautgewebe. Der Körperbau der Häsin ist im Allgemeinen etwas feiner als der des Rammlers so dass der Geschlechtscharakter auch auf diese Weise äußerlich erkennbar ist.
Der Unterschied der Geschlechter muss also auch durch die unterschiedlichen Merkmale von Rammler- und Häsinnenkopf eindeutig zu erkennen sein. Die Geschlechtsmerkmale werden allgemein in Position 1 beurteilt.
Der Rücken verläuft ebenmäßig bis zur Blume in einer gleichmäßig abgerundeten Linie. Die Brustpartie ist gut ausgebildet und voll gerundet. Gut gewölbt erscheint die Rippenpartie. Die Hinterschenkel liegen fest am Körper an. Der Hals ist vor allem beim gedrungenen Typ kurz.
Der Kopf ist beim Rammler und bei der Häsin rassetypisch ausgebildet: er sitzt im Allgemeinen dicht am Rumpfe auf, ist kräftig. mit einem kräftigen Unterkiefer und beim Rammler mit gut ausgeprägten Backen versehen. Die Breite der Stirn- und Schnauzpartie ist bei den Rassen je nach Typ unterschiedlich ausgeprägt. Die Ohren, mit einem kräftigen Ansatz am Kopf ausgestattet, sind kräftig und fest im Gewebe, oben schön abgerundet und werden — die Widderrassen ausgenommen — aufrecht getragen. In ihrer Länge und Breite müssen sie in aller Regel der Größe und dem Gewicht des Körpers sowie dem Typ entsprechen. Die vorstehenden Anforderungen werden bei den Rassen. die eine eigene
Position "Kopf(bildung) und Ohren (Behang)" bzw. eigene Positionen "Kopf(bildung)" und "Ohren (Behang)" haben, in den entsprechenden Positionen bewertet. Dort, wo in der Rassebeschreibung bzw.in der Auflistung der leichten und schweren Fehler konkrete Längenmaße für die Ohren bzw. den Behang angegeben sind, sind diese durch Messen festzustellen und in die Bewertungsurkunde einzutragen. (Hinweis: Verletzungen und anatomische Veränderungen sind allerdings immer in Position 1 zu bewerten vgl. Vorbemerkung zu den leichten und schweren Fehlern.)

Die Blume ist geschmeidig; sie wird gerade, aufrecht und an den Hinterkörper angelegt getragen; ihre Länge ist rassespezifisch zu beurteilen. Der Körper wird frei vom Boden von kräftigen und geraden Läufen getragen. Die Schulterblätter liegen fest am Körper an und dürfen sich in der Bewegung nicht auf- und abschieben; sie schneiden glatt mit der Rückenlinie ab. Die Hinterläufe stehen parallel zum Körper, die Schenkel werden fest angelegt.

Eine Wamme bei Häsinnen ist in der Regel unerwünscht. Soweit eine solche aber zugelassen ist, darf sie nicht zu groß sein. Auch muss sie eine schöne Form besitzen (sog. Schwalbennestwamme) und unmittelbar am Hals gerade anliegen. Die Ausbildung von Wammen unterliegt neben einer Erbanlage auch Umwelteinflüssen; deshalb treten sie bei älteren Häsinnen häufiger auf. Als »älter« gilt eine Häsin vom 13. Lebensmonat an. Diese Grundsätze für die Bewertung des Körperbaus sind bei der Beurteilung aller Rassen maßgebend, sofern sie in den einzelnen Rassebeschreibungen von dieser Norm nicht abweichen.

Bei der Beurteilung des Gesamteindrucks und des Typs ist bei allen Rassen der visuelle Eindruck ausschlaggebend, besondere Merkmale des Körperbaus werden sowohl mit dem Auge als auch mit dem Tastsinn erfasst.

Bei Angorakaninchen in voller Wolle wird die Körperlinie durch das Wollvlies verdeckt. Ein Urteil über den Körperbau gewinnt man durch ein intensiveres Abtasten des Körpers. Bei den Kurzhaarrassen (Rexkaninchen) tritt deren Körperbau als Folge ihres kurzhaarigen Fellhaars überall markanter in Erscheinung. Bei der Bewertung ist dies zu berücksichtigen.

Fehlerhafte Abweichungen in Pos. 1 "Typ, Körperform und Bau".
Vorbemerkung: Biss-oder Risswunden an Kopf und Ohren sowie anatomische Veränderungen an Kopf und Ohren einschließlich der Augen und der Kauwerkzeuge sind bei allen Rassen in der Position 1 "Körperform, Typ und Bau" zu bewerten. Vorbemerkung zu Wammenfehlern: Grundsätzlich sind Wammenfehler rassespezifisch zu beurteilen.

Leichte Fehler:

Schmaler oder nach vorne verjüngter Körper, schmale Brust, langer Hals. Hervortreten der Schulterblätter, abstehende Hinterschenkel, Hautfalten an den Hinterschenkeln, abfallende, eckige (durch vorstehende Hüftknochen!) oder spitz verlaufende Hinterpartie, schmales Becken; lose Schultern, Knick hinter den Schulterblättern; Erhöhungen oder Vertiefungen in der Rückenlinie; Hängebauch; nicht parallel zum Körper stehende Hinterläufe; leichtes Durchtreten der Vorderläufe; schwache und dünne Vorderläufe; teilweise versteifte Zehen; spielende, schleppend getragene, an der Spitze etwas krumme oder gebrochene, in der Länge nicht dem Körper entsprechende Blume, leichte Verkürzung der Blume; teilweise versteifte Blume: lose am Körper sitzende Fellhaut, schwache Kopfbildung, spitze Schnauze, schmale Stirn; tief liegende Augen; breite oder flatterige. faltige, schlecht abgerundete oder leicht gekippte Ohren: kurze oder lange, nicht der Körpergröße entsprechende Ohren; leichte Verengung im Bereich des Ohrmuschelansatzes. Kleine Biss- oder Risswunden an Kopf und Ohren; Hängehoden. Etwas große Wamme bei allen großen und mittelgroßen Rassen (außer Hasenkaninchen). Wammenansatz bei den Hasenkaninchen und allen kleinen Rassen; bei älteren Häsinnen ist Wammenansatz zulässig. (Zu den Zwergrassen, vgl. "schwere Fehler").

Schwere Fehler, die das Werturteil "nicht befriedigend" (nb) bewirken: Vollständige Abweichung vom Typ, starke Abweichung im Verhältnis von Länge, Breite und Tiefe des Rumpfes (außer bei Hasenkaninchen), ausgesprochener Steilrücken; X-oder 0-Beine, starkes Durchtreten der Vorderläufe, starke Kuhhessigkeit, gänzlich versteifte Zehen; körperliche Missbildungen und schwere Verstümmelungen: Biss- oder Risswunden an Kopf oder Ohren bei großen und Mittelrassen von mehr als 15 mm, bei den kleinen Rassen von mehr als 10 mm und bei den Zwergrassen von mehr als 5 mm Länge (Verletzungen, die während der Ausstellung verursacht werden, bleiben unberücksichtigt). Den Gehörgang verschließende Verengung im Bereich des Ohrmuschelansatzes. Starke Verwachsungen im Ohrmuschelbereich.

Zu starker Kinnknoten bei Rammlern. Schiefe Blume; in der ganzen Länge gänzlich versteifte Blume; starke Verkürzung, d. h. weniger als die Hälfte der normalen Länge der Blume. Kieferdeformationen, Zahnanomalien. Tränenabflussstörungen; Überwachsen der Flügelhaut bei einem oder beiden Augen.

Ausgeprägter Rammlerkopf bei der Häsin, Häsinnenkopf beim Rammler; anatomische Augenfehler jeglicher Art; starke Kipp-oder Hängeohren, außer bei den Widderrassen; Fehlen einer oder beider Hodentaschen, Schlepphoden; Anomalien der äußeren Geschlechtsteile, z.B. gespaltener Penis oder an der Penisspitze angewachsene Vorhaut: Fehlen einer oder mehrerer Krallen mit Ausnahme der Daumenkrallen (die Daumenkralle bleibt unberücksichtigt, wenn sie fehlt oder andersfarbig ist): Zottel-, Bein-, Bauch- oder Doppelwamme bei allen Rassen; schiefe oder stark ausgeprägte Wamme bei allen Rassen. Wamme bei den Hasenkaninchen und allen kleinen Rassen. Ausnahmen lediglich bei älteren Häsinnen der Rassen Hasenkaninchen, Kleinschecken, Separator, Kleinwiddern, Kleinchinchilla, Deilenaar, Marburger Feh, Sachsengold und Rhönkaninchen, bei denen als Folge ihres etwas höheren Gewichts eine kleine Wamme als leichter Fehler zu bewerten ist. Wammenansatz bei Zwergwiddern. Zwergschecken, Hermelin, Farbenzwergen, Zwerg-Rexen und Zwergfuchskaninchen. Wamme und Wammenansatz bei Rammlern aller Rassen.

 

Züruck